Aufbauen und Fett verlieren gleichzeitig – geht das wirklich?

Es ist eine der hartnäckigsten Glaubensfragen im Training: Kann man gleichzeitig Muskeln aufbauen und Fett abbauen? Die klassische Antwort der Fitnesswelt lautet seit Jahrzehnten: Nein. Du musst dich entscheiden. Entweder „Bulken" – also im Kalorienüberschuss Masse aufbauen und dabei etwas Fett in Kauf nehmen – oder „Cutten", also im Defizit Fett verlieren und dabei hoffen, möglichst viel Muskulatur zu halten. Beides gleichzeitig? Angeblich unmöglich, weil sich Aufbau und Abbau energetisch widersprechen.

Diese Erklärung klingt logisch und ist nicht völlig falsch – aber sie ist deutlich zu absolut. Die Vorstellung, Muskelaufbau und Fettabbau schlössen sich grundsätzlich aus, hält der aktuellen Studienlage nicht stand. Tatsächlich gibt es eine wachsende Zahl von Untersuchungen, die zeigen, dass beides gleichzeitig möglich ist – die sogenannte Body Recomposition. Die entscheidende Frage ist nicht „ob", sondern „bei wem, wie stark und unter welchen Bedingungen".

Genau hier wird es interessant, denn die Antwort ist weder „klappt immer" noch „ist ein Mythos". Sie ist differenziert: Für manche Menschen funktioniert Recomposition hervorragend, für andere kaum – und der Unterschied hängt von wenigen, gut verstandenen Faktoren ab. In diesem Artikel schauen wir uns an, warum der scheinbare Widerspruch sich auflösen lässt, wer am meisten davon profitiert, welche zwei Hebel den größten Unterschied machen und für wen die klassische Bulk-Cut-Strategie trotzdem besser ist.

Warum es überhaupt ein „Widerspruch" zu sein scheint

Um zu verstehen, warum Recomposition funktionieren kann, muss man zuerst verstehen, warum sie auf den ersten Blick unmöglich wirkt. Der Kern des vermeintlichen Widerspruchs liegt in der Energiebilanz.

Muskelaufbau gilt klassisch als ein Prozess, der einen Energieüberschuss begünstigt – mehr verfügbare Energie, als der Körper verbraucht, um neues Gewebe aufzubauen. Fettabbau dagegen erfordert zwingend ein Energiedefizit – der Körper muss mehr Energie verbrauchen, als er aufnimmt, um an die Fettreserven zu gehen. Auf der Ebene der reinen Gesamtbilanz scheinen sich diese beiden Zustände auszuschließen: Man kann nicht gleichzeitig im Überschuss und im Defizit sein.

Genau hier steckt aber der Denkfehler. Der Körper ist kein einzelnes Konto, auf dem nur eine Zahl steht. Muskel- und Fettgewebe sind getrennte Speicher mit eigener Stoffwechsellogik. Der entscheidende Begriff heißt Nährstoffpartitionierung – also die Frage, wohin der Körper Energie und Bausteine lenkt. Unter den richtigen Bedingungen kann der Körper Fett aus den Reserven abbauen und diese freigesetzte Energie nutzen, um gleichzeitig Muskulatur aufzubauen. Das Fettgewebe liefert dann gewissermaßen den „Treibstoff" für den Aufbau, während die Gesamtbilanz leicht negativ bleibt.

Das ist der Schlüssel: Body Recomposition ist kein Bruch der Energiebilanz, sondern eine geschickte Umverteilung innerhalb des Körpers. Und genau weil das so ist, funktioniert sie nicht bei jedem gleich gut – sie hängt davon ab, wie viel „Treibstoff" verfügbar ist und wie stark der Aufbaureiz ausfällt.

Was die Studienlage tatsächlich zeigt

Lange galt Recomposition als etwas, das es nur bei blutigen Anfängern gibt. Die aktuelle Forschung zeichnet ein deutlich breiteres Bild. Eine vielbeachtete Übersichtsarbeit von De Souza und Kollegen (2020) im Strength and Conditioning Journal hat die Literatur zu diesem Thema systematisch aufgearbeitet und kommt zu einem klaren Schluss: Entgegen der verbreiteten Annahme, dass gut trainierte Menschen nicht gleichzeitig Muskeln aufbauen und Fett verlieren könnten, gibt es zahlreiche randomisierte kontrollierte Studien, die genau dieses Phänomen auch bei bereits trainierten Personendemonstrieren.

Die Autoren identifizieren dabei zwei zentrale Faktoren, die Recomposition ermöglichen: progressives Krafttraining in Kombination mit evidenzbasierten Ernährungsstrategien – allen voran einer ausreichend hohen Proteinzufuhr. Wo diese beiden Faktoren stimmen, lässt sich Body Recomposition in unterschiedlichsten Populationen beobachten, nicht nur bei Einsteigern.

Eine neuere Übersichtsarbeit, die Studien aus den Jahren 2019 bis 2024 zusammenfasst, bestätigt diese Richtung: Mit den passenden Trainings- und Ernährungsstrategien lässt sich Muskelmasse während einer Phase der Kalorienrestriktion und des Fettabbaus erhalten oder sogar steigern. In mehreren Untersuchungen blieb das Körpergewicht dabei nahezu konstant, während Fettmasse abnahm und Muskelmasse zunahm – das klassische Bild einer gelungenen Recomposition, bei der die Waage täuscht, weil sich unter der Oberfläche zwei gegenläufige Prozesse abspielen.

Wichtig ist die ehrliche Einordnung: Bei trainierten Personen sind die Zuwächse meist kleiner und langsamer als bei Anfängern. Recomposition ist hier kein dramatischer Effekt, sondern ein langsamer, stetiger Umbau – aber er ist real und mehrfach belegt.

Wer am meisten davon profitiert

Auch wenn Recomposition grundsätzlich breiter möglich ist als lange gedacht, ist sie nicht bei jedem gleich effektiv. Es gibt drei Gruppen, bei denen sie besonders gut funktioniert – und der Grund dafür hat jeweils mit demselben Prinzip zu tun: viel Aufbaupotenzial, viel verfügbarer „Treibstoff" oder beides.

Anfänger sind die klassische Recomposition-Gruppe. Im ersten Trainingsjahr ist der Körper, wie wir an anderer Stelle ausführlich beschrieben haben, hyperresponsiv auf den Trainingsreiz. Diese „Newbie Gains" sind so stark, dass selbst ein leichtes Kaloriendefizit den Muskelaufbau nicht verhindert. Der Aufbaureiz ist schlicht so dominant, dass der Körper neue Muskulatur bildet, obwohl die Gesamtbilanz negativ ist. Für Einsteiger ist gleichzeitiger Auf- und Abbau deshalb eher der Normalfall als die Ausnahme.

Menschen mit höherem Körperfettanteil haben einen anderen Vorteil: reichlich gespeicherte Energie. Grob ab etwa 20 Prozent Körperfett bei Männern und etwa 28 Prozent bei Frauen stehen große Fettreserven zur Verfügung, die den Muskelaufbau auch im Defizit mit Energie versorgen können. Je mehr Fett vorhanden ist, desto leichter kann der Körper aus den eigenen Reserven schöpfen, um gleichzeitig Muskulatur aufzubauen. Die Partitionierung läuft hier besonders günstig.

Wiedereinsteiger profitieren von einem dritten Mechanismus: dem Muscle Memory. Wer früher schon einmal Muskulatur aufgebaut und durch Verletzung, Pause oder Lebensumstände wieder verloren hat, kann diese Masse deutlich schneller zurückgewinnen als jemand, der sie zum ersten Mal aufbaut. Der Grund liegt in dauerhaften zellulären Anpassungen – unter anderem zusätzlichen Zellkernen in den Muskelfasern, die auch nach längerer Trainingspause erhalten bleiben. Diese „Muskelerinnerung" macht den Wiederaufbau so effizient, dass er oft selbst im Defizit gelingt.

Das verbindende Prinzip ist klar: Recomposition funktioniert am besten, wenn entweder der Aufbaureiz ungewöhnlich stark ist (Anfänger, Wiedereinsteiger) oder besonders viel körpereigene Energie zur Verfügung steht (höherer Körperfettanteil) – idealerweise beides gleichzeitig.

Für wen es schwieriger wird

Spiegelbildlich lässt sich daraus ableiten, für wen Recomposition mühsam wird: für schlanke, bereits gut trainierte Personen. Wer schon nah an seinem genetischen Potenzial ist und gleichzeitig einen niedrigen Körperfettanteil hat, hat beide Vorteile nicht mehr. Der Aufbaureiz ist nach Jahren des Trainings nur noch klein, und es gibt keine großen Fettreserven, aus denen sich der Aufbau speisen könnte.

Für diese Gruppe ist gleichzeitiger Auf- und Abbau zwar nicht unmöglich – die genannten Studien zeigen, dass es auch bei Trainierten vorkommt –, aber die Fortschritte sind so klein, dass sich die getrennte Strategie oft mehr lohnt. Ein schlanker, fortgeschrittener Lifter, der sichtbar mehr Muskeln will, kommt mit einem dedizierten Aufbau (leichter Überschuss) und einer anschließenden, sauberen Definitionsphase meist schneller voran als mit dem Versuch, beides gleichzeitig auf der Stelle zu erzwingen.

Das ist kein Widerspruch zur Recomposition-Idee, sondern ihre logische Konsequenz: Je weniger Aufbaupotenzial und je weniger Fettreserven, desto mehr lohnt sich die klassische Periodisierung. Recomposition ist kein universelles „Besser", sondern die passende Strategie für bestimmte Ausgangslagen.

Hebel 1: Krafttraining ist der nicht verhandelbare Faktor

Wenn Recomposition gelingen soll, gibt es einen Faktor, der absolut nicht verhandelbar ist: ausreichend forderndes Krafttraining. Es ist das Signal, das dem Körper überhaupt erst sagt, dass die Muskulatur erhalten und ausgebaut werden soll, statt im Defizit als Energiequelle herzuhalten.

Das ist der entscheidende Punkt, den viele unterschätzen. In einem Kaloriendefizit steigt der Muskelproteinabbau – der Körper ist grundsätzlich eher bereit, Muskulatur abzubauen, um Energie zu gewinnen. Krafttraining wirkt diesem Prozess direkt entgegen, indem es die Muskelproteinsynthese stimuliert und dem Körper einen klaren Grund liefert, die Muskulatur zu schützen. Ohne diesen Reiz wird ein Defizit fast zwangsläufig auch Muskulatur kosten. Mit ihm kann dieselbe Person im selben Defizit Muskeln halten oder sogar aufbauen.

Genau deshalb funktioniert Diäten ohne Krafttraining so schlecht für die Körperkomposition: Wer nur das Kaloriendefizit setzt, aber keinen Aufbaureiz liefert, verliert in der Regel einen erheblichen Teil des Gewichts als fettfreie Masse – also auch Muskulatur. Das Ergebnis ist der gefürchtete „skinny fat"-Effekt: leichter, aber nicht straffer. Krafttraining ist das, was aus reinem Gewichtsverlust eine echte Verbesserung der Körperzusammensetzung macht.

Die praktische Konsequenz: Recomposition ist in erster Linie ein Trainings-, nicht nur ein Ernährungsthema. Das Defizit erledigt den Fettabbau, aber erst das Krafttraining entscheidet darüber, was mit der Muskulatur passiert. Wer beides will, muss ernsthaft trainieren – mit progressiver Belastung und Sätzen, die nah genug an echte Anstrengung herankommen.

Hebel 2: Protein wird im Defizit noch wichtiger

Der zweite große Hebel ist die Proteinzufuhr – und sie ist im Defizit sogar noch wichtiger als im normalen Aufbau. Das ist ein Punkt, der oft falsch verstanden wird: Viele essen ausgerechnet beim Abnehmen weniger Protein, weil sie generell weniger essen. Genau das ist kontraproduktiv.

Die vielleicht eindrucksvollste Einzelstudie dazu stammt von Longland und Kollegen (2016). Junge Männer wurden vier Wochen lang in ein erhebliches Kaloriendefizit von rund 40 Prozent gesetzt und absolvierten dabei sechs Mal pro Woche intensives Training. Die eine Gruppe aß eine moderate Proteinmenge (1,2 g pro Kilogramm Körpergewicht), die andere eine hohe (2,4 g pro Kilogramm). Das Ergebnis war eindeutig: Die Hochprotein-Gruppe baute im Defizit Muskulatur auf (rund 1,2 kg fettfreie Masse) und verlor mehr Fett – während die moderate Gruppe deutlich schlechter abschnitt. Beide Gruppen waren im Defizit, beide trainierten hart – der Unterschied lag im Protein.

Diese Richtung ist gut abgesichert. Eine ältere Untersuchung von Mettler und Kollegen (2010) zeigte bereits, dass bei trainierten Männern in einem 40-Prozent-Defizit eine Proteinzufuhr von 2,3 g pro Kilogramm die fettfreie Masse deutlich besser schützte als 1,0 g pro Kilogramm. Eine systematische Übersichtsarbeit von Helms und Kollegen (2014) leitet daraus für energie­reduzierte, krafttrainierende Athleten einen Bedarf von etwa 2,3 bis 3,1 g pro Kilogramm fettfreierMasse ab – mit der Tendenz, dass der Bedarf steigt, je stärker das Defizit und je schlanker die Person ist.

Der Grund ist physiologisch nachvollziehbar: Im Defizit steigt der Proteinabbau, und der Körper kann zugeführtes Protein schlechter speichern. Eine höhere Zufuhr gleicht das aus und liefert genug Bausteine, um die Muskulatur trotz negativer Energiebilanz zu erhalten oder aufzubauen. Praktisch heißt das: Wer Recomposition anstrebt, sollte Protein nicht nur „nicht reduzieren", sondern bewusst im oberen Bereich ansetzen – grob 2,0 bis 2,4 g pro Kilogramm Körpergewicht sind eine sinnvolle Orientierung, im Zweifel eher mehr als weniger.

Wie groß sollte das Defizit sein?

Eine der wichtigsten praktischen Fragen bei der Recomposition ist die Größe des Kaloriendefizits – und hier gilt fast immer: moderat schlägt aggressiv.

Der Grund hängt direkt mit der Partitionierung zusammen. Ein sehr großes Defizit erzwingt einen schnellen Gewichtsverlust, und je schneller dieser ausfällt, desto größer ist der Anteil, der aus fettfreier Masse stammt. Wer extrem hart diätet, sabotiert genau den Prozess, den er eigentlich schützen will: Der Körper hat dann weder genug Energie noch genug Spielraum, um gleichzeitig Muskulatur aufzubauen. Ein aggressives Defizit ist gut für reinen, schnellen Gewichtsverlust – aber schlecht für gleichzeitigen Muskelaufbau.

Ein moderates Defizit dagegen lässt dem Körper genug Raum, um Fett abzubauen und parallel Muskulatur aufzubauen. Die freigesetzte Energie aus dem Fettgewebe kann dann tatsächlich in den Aufbau fließen, statt dass der Körper aus Mangel an Alternativen Muskulatur abbaut. Für die meisten Menschen, die Recomposition anstreben, ist ein leichtes bis moderates Defizit deshalb die produktivere Wahl als ein drastisches.

Das ist auch der Grund, warum Recomposition oft mit nahezu konstanter Waage einhergeht. Wenn Fettabbau und Muskelaufbau sich in etwa die Waage halten, bewegt sich das Körpergewicht kaum – obwohl sich die Zusammensetzung deutlich verändert. Wer in dieser Phase nur auf die Waage schaut, hält den Prozess fälschlich für Stillstand, während in Wahrheit genau das passiert, was passieren soll.

Warum die Waage hier besonders täuscht

Kein anderes Trainingsziel macht die Waage so unbrauchbar wie die Body Recomposition. Wenn du gleichzeitig ein Kilo Fett verlierst und ein Kilo Muskeln aufbaust, zeigt die Waage exakt null Veränderung – obwohl dein Körper sich sichtbar verändert hat. Wer sich in dieser Phase nur am Körpergewicht orientiert, wird fast zwangsläufig frustriert und glaubt, nichts erreicht zu haben.

Deshalb ist es bei Recomposition besonders wichtig, Fortschritt mehrdimensional zu messen. Sinnvolle Marker sind Körperumfänge (vor allem Taille im Verhältnis zu Armen, Schultern, Beinen), Fotos unter gleichen Bedingungen über mehrere Wochen, und vor allem die Leistungsentwicklung im Training. Gerade letzteres ist ein starker Indikator: Wer im Defizit stärker wird oder zumindest seine Kraft hält, baut sehr wahrscheinlich Muskulatur auf oder erhält sie – ein klares Zeichen, dass die Recomposition funktioniert.

Wenn du die Möglichkeit hast, deine Körperzusammensetzung direkter messen zu lassen, kann das zusätzliche Klarheit geben – aber auch hier gilt Vorsicht, denn viele gängige Messmethoden haben eine erhebliche Fehlerquote und schwanken von Tag zu Tag. Die Kombination aus Spiegel, Maßband, Fotos und Trainingsleistung über mehrere Wochen ist in der Praxis meist verlässlicher als ein einzelner Messwert. Entscheidend ist der Trend über Wochen, nicht die Momentaufnahme.

Recomposition oder klassisch Bulken und Cutten?

Aus all dem ergibt sich eine relativ klare Entscheidungslogik, wann sich welcher Ansatz lohnt. Es geht nicht darum, dass einer „richtig" und der andere „falsch" ist – beide haben ihren Platz, je nach Ausgangslage und Ziel.

Recomposition ist meist die bessere Wahl, wenn du Anfänger bist, einen höheren Körperfettanteil hast, gerade wieder ins Training einsteigst, oder wenn dir eine gleichbleibende Optik wichtig ist und du keine Phasen mit sichtbar mehr Fett oder weniger Muskel durchlaufen willst. In diesen Fällen ist gleichzeitiger Auf- und Abbau nicht nur möglich, sondern oft der angenehmste und nachhaltigste Weg.

Die klassische Bulk-Cut-Strategie lohnt sich eher, wenn du bereits schlank und fortgeschritten bist und einen deutlichen, sichtbaren Zuwachs an Muskelmasse anstrebst. Dann bringt ein dedizierter Aufbau im leichten Überschuss mehr Material, das du anschließend in einer Definitionsphase „freilegst". Für ambitionierte, bereits muskulöse Ziele ist die getrennte Periodisierung meist effizienter, weil sich in keiner der beiden Phasen die Energie­bilanz gegen das jeweilige Hauptziel stellt.

Wichtig ist, ehrlich zur eigenen Ausgangslage zu sein. Viele schlanke Fortgeschrittene versuchen jahrelang eine Recomposition und wundern sich über minimale Fortschritte – obwohl sie mit klaren Auf- und Abbauphasen schneller vorangekommen wären. Umgekehrt stürzen sich viele Einsteiger in aggressive Bulk-Cut-Zyklen, obwohl eine simple Recomposition für sie viel reibungsloser funktioniert hätte.

Die häufigsten Fehler bei der Recomposition

Zu wenig essen. Der häufigste Fehler ist der Versuch, Recomposition durch ein möglichst großes Defizit zu beschleunigen. Das funktioniert nicht – ein zu aggressives Defizit raubt dem Körper die Möglichkeit, gleichzeitig aufzubauen. Recomposition belohnt Geduld, nicht Härte.

Zu wenig Protein. Wer beim Abnehmen automatisch das Protein mitreduziert, untergräbt den ganzen Prozess. Im Defizit gehört Protein bewusst nach oben, nicht nach unten.

Kein ernsthaftes Krafttraining. Ohne ausreichend fordernden Trainingsreiz wird aus Recomposition schlicht Gewichtsverlust – inklusive Muskelabbau. Das Training ist der Faktor, der über den Erhalt der Muskulatur entscheidet.

Nur auf die Waage schauen. Weil die Waage bei Recomposition kaum etwas anzeigt, führt der Blick auf das Körpergewicht regelmäßig zu vorzeitiger Frustration und Strategiewechseln. Wer hier nicht mehrdimensional misst, gibt oft auf, obwohl alles funktioniert.

Ungeduld. Recomposition ist langsamer als reines Bulken oder reines Cutten, weil zwei Prozesse gleichzeitig laufen. Wer nach vier Wochen eine dramatische Veränderung erwartet, misst an einem unrealistischen Maßstab. Sichtbare Ergebnisse brauchen hier Monate.

Was du wirklich aus diesem Artikel mitnehmen solltest

Die alte Regel „du kannst nicht gleichzeitig Muskeln aufbauen und Fett verlieren" ist in dieser Pauschalität überholt. Body Recomposition ist real und gut belegt – aber sie ist kein magischer Trick, der für jeden gleich gut funktioniert. Sie ist eine Strategie, die unter bestimmten Bedingungen hervorragend wirkt und unter anderen kaum.

Der entscheidende Gedanke ist die Nährstoffpartitionierung: Der Körper kann Fett abbauen und diese Energie in den Muskelaufbau lenken, solange zwei Bedingungen erfüllt sind – ein ausreichend starker Trainingsreiz und genug Protein. Wer viel Aufbaupotenzial oder viele Fettreserven mitbringt (oder beides), profitiert am meisten. Wer bereits schlank und fortgeschritten ist, fährt mit klaren Auf- und Abbauphasen oft besser.

Die ehrliche Zusammenfassung lautet: Frag nicht „geht Recomposition?", sondern „passt Recomposition zu meiner Ausgangslage?". Wenn ja, sind die Werkzeuge unspektakulär, aber klar – moderates Defizit, viel Protein, ernsthaftes Krafttraining und genug Geduld, um den langsamen Umbau nicht mit der Waage kaputtzumessen.

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Quellen

  • Barakat C, Pearson J, Escalante G, Campbell B, De Souza EO. Body Recomposition: Can Trained Individuals Build Muscle and Lose Fat at the Same Time? Strength and Conditioning Journal. 2020;42(5):7–21.

  • Longland TM, Oikawa SY, Mitchell CJ, Devries MC, Phillips SM. Higher compared with lower dietary protein during an energy deficit combined with intense exercise promotes greater lean mass gain and fat mass loss: a randomized trial. Am J Clin Nutr. 2016;103(3):738–746.

  • Mettler S, Mitchell N, Tipton KD. Increased protein intake reduces lean body mass loss during weight loss in athletes. Med Sci Sports Exerc. 2010;42(2):326–337.

  • Helms ER, Zinn C, Rowlands DS, Brown SR. A systematic review of dietary protein during caloric restriction in resistance trained lean athletes: a case for higher intakes. Int J Sport Nutr Exerc Metab. 2014;24(2):127–138.

  • Murphy CH, Hector AJ, Phillips SM. Considerations for protein intake in managing weight loss in athletes. Eur J Sport Sci. 2015;15(1):21–28.

  • Hudson JL, Wang Y, Bergia RE, Campbell WW. Protein Distribution and Muscle-Related Outcomes: A Systematic Review. Nutrients. 2020.

  • Morton RW, Murphy KT, McKellar SR, et al. A systematic review, meta-analysis and meta-regression of the effect of protein supplementation on resistance training–induced gains in muscle mass and strength. Br J Sports Med. 2018;52(6):376–384.

  • Garthe I, Raastad T, Refsnes PE, Koivisto A, Sundgot-Borgen J. Effect of two different weight-loss rates on body composition and strength and power-related performance in elite athletes. Int J Sport Nutr Exerc Metab. 2011;21(2):97–104.

  • Wycherley TP, Moran LJ, Clifton PM, Noakes M, Brinkworth GD. Effects of energy-restricted high-protein, low-fat compared with standard-protein, low-fat diets: a meta-analysis of randomized controlled trials. Am J Clin Nutr. 2012;96(6):1281–1298.

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